Die teuersten Fehler entstehen oft nicht durch falsche Entscheidungen.

Warum die meisten Führungskräfte nicht an schlechten Entscheidungen scheitern – sondern an zu späten Entscheidungen

LEADERSHIP & DECISION MAKING

Patrick K. Gruél

6/22/20262 min read

Die teuersten Fehler entstehen oft nicht durch falsche Entscheidungen.

Sondern durch Entscheidungen, die zu spät getroffen werden.

Das klingt zunächst widersprüchlich.

Schließlich beschäftigen sich Führungskräfte oft damit, Risiken zu minimieren, Fehler zu vermeiden und möglichst fundierte Entscheidungen zu treffen.

Doch genau dort beginnt häufig das Problem.

Denn während Informationen gesammelt, Meetings abgehalten und weitere Analysen angefordert werden, verändert sich die Realität bereits.

Die Illusion der perfekten Informationslage

Viele Menschen glauben, bessere Entscheidungen entstünden automatisch durch mehr Informationen.

In der Praxis ist das selten der Fall.

Ab einem gewissen Punkt liefern zusätzliche Informationen keinen Erkenntnisgewinn mehr.

Sie erzeugen lediglich die Illusion von Kontrolle.

Das Gehirn fühlt sich sicherer.

Die Entscheidung wird dadurch jedoch nicht zwangsläufig besser.

Warum intelligente Menschen besonders anfällig sind

Je intelligenter ein Mensch ist, desto größer wird häufig die Versuchung, noch eine weitere Perspektive einzuholen.

Noch eine Analyse.

Noch ein Gespräch.

Noch eine Prognose.

Noch ein Szenario.

Das Problem:

Die Welt wartet nicht.

Märkte warten nicht.

Mitarbeiter warten nicht.

Wettbewerber warten nicht.

Während intern analysiert wird, entstehen extern bereits neue Fakten.

Die versteckten Kosten des Wartens

Zu späte Entscheidungen verursachen Kosten, die selten sichtbar werden.

Dazu gehören:

  • verlorene Marktchancen

  • sinkende Glaubwürdigkeit

  • schwindendes Vertrauen im Team

  • verpasste Innovationen

  • strategische Trägheit

Besonders gefährlich:

Diese Kosten tauchen in keiner Bilanz direkt auf.

Sie erscheinen lediglich als verpasste Möglichkeiten.

Die besten Führungskräfte denken anders

Erfahrene Führungskräfte warten nicht auf Sicherheit.

Sie warten auf ausreichende Klarheit.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Sicherheit existiert in komplexen Umfeldern kaum.

Klarheit hingegen schon.

Die Frage lautet daher nicht:

„Wissen wir alles?“

Sondern:

„Wissen wir genug, um verantwortlich handeln zu können?“

Die 70-Prozent-Regel

Viele erfolgreiche Entscheider orientieren sich unbewusst an einem ähnlichen Prinzip:

Wenn ungefähr 70 Prozent der relevanten Informationen vorliegen, wird entschieden.

Warum?

Weil die letzten 30 Prozent häufig unverhältnismäßig viel Zeit kosten.

Und genau diese Zeit verändert die Ausgangslage oft stärker als die fehlenden Informationen selbst.

Drei Fragen vor jeder wichtigen Entscheidung

Wenn eine Entscheidung seit Wochen oder Monaten verschoben wird, helfen drei Fragen:

1. Fehlen uns wirklich Informationen – oder fehlt uns Mut?

Diese Frage trennt Analyse von Unsicherheit.

2. Was kostet weiteres Warten?

Nicht nur finanziell.

Auch strategisch.

3. Würden wir dieselbe Entscheidung heute treffen wie vor drei Monaten?

Falls ja, wurde vermutlich bereits zu lange gewartet.

Fazit

Die Qualität einer Führungskraft zeigt sich nicht nur daran, welche Entscheidungen sie trifft.

Sondern auch daran, wann sie sie trifft.

Zu frühe Entscheidungen können gefährlich sein.

Zu späte Entscheidungen sind es oft ebenso.

Denn in einer komplexen Welt entsteht Wettbewerbsvorteil selten durch absolute Gewissheit.

Er entsteht durch die Fähigkeit, mit begrenzter Gewissheit handlungsfähig zu bleiben.

Patrick K. Gruél
Founder – Leadership im Detail

Führung | Entscheidungen | Wissen

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